1. Die Stadt

April 11, 2008

1. Die Stadt

1.1 Ein kurzer Stadtspaziergang
1.2 Chronologie der Urbanisierung Gurgaons
1.3 Die Landnahme
1.4 Die Sonderentwicklungszone (SEZ) und der Widerstand der bäuerlichen Bevölkerung
1.5 Die Landpreis- und Immobilienblase und Auswirkungen auf das Alltagsleben
1.6 Die Umwandlung von Bauerndörfern in Auffangbecken für die neue Arbeitskraft
1.7 Die Slumbildung, das Dienstleistungsproletariats und die entstehende Angst der oberen Mittelschichten
1.8 Der Boom des Überbaus und die nachhinkende urbane Infrastruktur
1.9 Urbane Kämpfe

„Es ist der blanke Horror, man hätte es nicht zulassen dürfen. Das schlimmste Beispiel schlechter Stadtplanung, vulgär, anti-kulturell.“
(Leon Krier, Stadtplaner nach seinem Besuch in Gurgaon im Rahmen eines internationalen Kongresses)

1.1 Ein kurzer Stadtspaziergang

Gurgaon zählt zu den am schnellsten wachsenden Städten Indiens. Aus der eher dörflichen Kleinstadt der frühen 1980er, in der kaum mehr als 100.000 Menschen gewohnt haben dürften, wurde innerhalb von zwei Jahrzehnten eine industrielle Großstadt. Bei der letzten offiziellen Volkszählung im Jahr 2001 hatte der Verwaltungsbezirk Gurgaon 1.6 Millionen EinwohnerInnen. Offizielle Seiten gehen von einem weiteren jährlichen Wachstum von zehn bis zwanzig Prozent aus.
Gurgaon ist ein von der Urbanisierung zerrissenes Schlachtfeld, ein Beispiel dafür, dass die Herausbildung einer Stadt kein geplantes friedfertiges Wachsen ist. Eindrücke eines kurzen Spaziergangs: Gurgaons alter Stadtkern verslumt, abgetrennt durch die vierspurige Schneise des National Highway 8, der von ArbeiterInnen zu Fuß überquert wird, auf dem Weg in die Industriezonen, vorbei an Villen mit Security Guards vor jeder Tür, oder Rikshafahrern, die 2.500 Jahre ihres Lohns sparen müssten, um sich eines der Appartments kaufen zu können, vor denen sie auf Kundschaft warten. Jenseits des National Highways liegt Brachland, verstreute Wohnparks und Bürogebäude, die ‘Street of Dreams’, eine Straße von Munsterhäusern eines Immobilienriesen aus Dubai, dahinter verbrannte Erde, wo vor kurzem noch 800 Slumhütten standen. Ziegenhirten, denen der Landpreis unter den Füßen explodiert. Ehemalige Bauerndörfer, bewohnt von einer neuen Klasse jetzt landlosen Rentiers in Bauernkleidung mit einer nostalgischen Kuh im Hinterhof und zwanzig Familien eingewanderter ArbeiterInnen zur Miete, jeweils acht Quadratmeter für fünf Personen. Plastikplanensiedlungen mit Umrandungsmauer und Tor, 500 Rupies (*) Miete an den Landbesitzer pro Hütte. Golfplätze und Springbrunnen für die Manager-Siedlungen, lange Schlangen hinter Wassertankwagen in den Armensiedlungen um die Ecke. Detailgenau angelegte Industriegebiete, ohne Unterkünfte für die Tausenden von ArbeiterInnen, stattdessen Dutzende seit Monaten nur halb abgerissener Häuser, die der U-Bahn weichen müssen. Wächter bewachen ein staubiges Stück leeren Lands vor erneuter Slumbildung. Illegale Müllkippen im Schatten von Dubai-ähnlichen Bürotürmen, eine Siedlung, dessen BewohnerInnen vom Recycling leben. Kilometerlange Staus, Lkw von Autozulieferern und Call Center-Taxis, die eine Nachtschichtgeneration nach Süd-Delhi bringen.

1.2 Chronologie der Urbanisierung Gurgaons

1920: Das Dorf Gurgaon
Während der Kolonialzeit erlangte Gurgaon (Guru Gaon: das Dorf des Gelehrten) erst während des Aufstands gegen die Briten 1857, als viele lokale Rebellen nach Niederschlagung gehängt wurden eine kurzzeitige Berühmtheit. 1920 wurde das ‘Gurgaon Experiment’ des englischen Mussolini-Bewunderers Frank Brayne in kolonialen akademischen Zirkeln diskutiert. Brayne war Deputy von Gurgaon in den 1920ern und versuchte mit repressiven Mitteln eine Art ‘Grüne Revolution’ in der bäuerlichen Kleinstadt durchzusetzen. Später erklärte Brayne sein Scheitern bei der Einführung ‘wissenschaftlicher’ Agrarmethoden durch die langsamen Mühlen des imperialen Staats und durch den Widerstand der mehrheitlich muslimischen Meo-Bevölkerung von Gurgaon. Ein Großteil der Muslime Gurgaons flüchteten während der Unruhen nach der Unabhängigkeit 1945 in das neuentstandene Pakistan.

1960: Die ‘Grüne Revolution’ in Haryana
Die tatsächliche ‘Grüne Revolution’ drei, vier Jahrzehnte später hatte ihr Zentrum ebenfalls im Bundesstaat Haryana, welches neben dem Punjab die höchsten Ertragsgewinne und die größte Freisetzung von ländlicher Bevölkerung verzeichnen konnte. Eine Folge der ‘Grünen Revolution’ war die Konzentration von Landbesitz und die Ausrichtung auf vermarktbare Agrarprodukte. In Gurgaon und Umland tritt diese Konzentration heute bei der Frage der massenhaften Landnahme für neue Industriegebiete und Sonder-Exportzonen (SEZ) zu tage. Anders als in vielen anderen Teilen Indiens gibt es dort keinen Protest gegen die ‘Vertreibung vom Land’, da ein Großteil der Dorfbevölkerung kein Land besitzt. Der in Gurgaon existierende Protest der Dorfbevölkerung im Zuge der ‘Urbanisierung’ will in erster Linie einen höheren Preis für das zu verkaufende Land erzielen, dies im Wissen, dass es in den letzten Jahren vielen Bauernfamilien in und um Gurgaon gelungen ist, sich durch Trennung vom Land in Rentiers oder (kleine) Geschäftsleute zu verwandeln.

1970: Die geplante Satellitenstadt
In den 1970ern legte der indische Staat ein Hauptaugenmerk auf die Kontrolle des Bevölkerungswachstums. Neben dem Wachstum der Armutsbevölkerung durch (Zwangs-)Sterilisationsprogrammen sollten auch das Wachstum der Großstädte durch (Zwangs-)Umsiedlungen in kontrollierbare Bahnen gelenkt werden. Im Zuge des zweijährigen Ausnahmezustands wurde 1976 der Versuch unternommen, große Teile der Bevölkerung Delhis in Satellitenstädte umzusiedeln. Zu diesem Zweck entstand die NOIDA (New Okhla Industrial Development Authority). Heute ist NOIDA der Name einer Satellitenstadt mit rund 500.000 EinwohnerInnen im Osten von Delhi, im Bundesstaat Uttar Pradesh. Für Gurgaon im Südwesten gab es ähnliche Pläne. Im Laufe der nächsten drei Jahrzehnte bewies die Entwicklung dieser Satellitenstädte allerdings die Fehlbarkeit der staatlichen Kontrolle gegenüber der Dynamik des Industrialisierungsprozesses und der proletarischen Land-Stadt-Migration. In vielen Aspekten hat sich der Plan umgekehrt: Delhi wächst weiter, wobei ein Viertel der (armen!) Stadtbevölkerung auf rund 1,5 Prozent der Stadtfläche zusammengepfercht wird. Die Slums kehren kurz nach Räumung und Umsiedlung wieder in das Stadtzentrum zurück, gleichzeitig wachsen die ‘Satelliten- und Schlafstädte’ zu eigenen Großstädten heran, in vielen Fällen, z.B. der Call Center-Industrie wurde Delhi die Schlafstadt Gurgaons. Sieht man Delhi und die umliegenden Vororte nicht unter formalen Gesichtspunkten – als Grenzgebiet drei unterschiedlicher Bundesstaaten (Delhi, Uttar Pradesh, Haryana) – sondern als zusammenhängendes urbanes Gebiet, dann ist Delhi mittlerweile mit mehr als 20 Millionen EinwohnerInnen die größte Stadt Indiens.

1980: Die Industrie schafft die Stadt
Der Kickstart der Verwandlung Gurgaons von einer bäuerlichen Kleinstadt in eine moderne Stadt war die Ansiedlung der Suzuki Maruti Autofabrik Mitte der 1980er. Die Zusammenarbeit mit einem wichtigen Industrieunternehmen Japans – der sich am rapidesten entwickelnden Industrienation der Zeit – sollte einen neuen industriellen Sprung nach vorn garantieren, durch Ansiedlung von Zulieferindustrie und Ausbau der Infrastruktur. Maruti Suzuki konnte bereits auf eine industrielle Arbeitskraft und etablierte verarbeitende Industrie im 40 km weiter östlich gelegenen Faridabad setzen, wo sich Anfang der 1980er u.a. Traktoren- und Wagonbau angesiedelt hatten. Zwischen Gurgaon und Faridabad entstand ein Netz von Zulieferlinien, wobei viele der vorgelagerten kleineren und ‘informelleren’ Betriebe in Faridabad liegen. In Gurgaon selbst wurde kurz nach dem Maruti Suzuki Werk eine Motorradfabrik von Hero Honda eröffnet, damit lag das Zentrum der indischen Autoindustrie im Süden von Delhi. Die Textilindustrie siedelte sich später an, vor allem auch mit der staatlich verordneten Auslagerung der Industrie aus dem Zentrum von Delhi. Mit Maruti Suzuki zogen aus allen Landesteilen verschiedene Schichten der ArbeiterInnenklasse nach Gurgaon, von Ingenieuren und FacharbeiterInnen, die zu den bestbezahltesten Indiens gehörten, bis zu Hilfskräften und DienstleistungsarbeiterInnen. Maruti Suzuki gehörte auch zu einem der wenigen Unternehmen nach Ende der Kolonialzeit, die Werkswohnungen für Festangestellte bauen ließen. In den 1980ern hat sich Gurgaon zu einem Industrievorort entwickelt, der von Delhi nur durch einen breiten Gürtel von Armee-Stützpunkten getrennt ist. Auf dieser Basis konnte der eigentliche ‘urbane Boom’ der 1990er stattfinden.

1990: Der Bau-Boom der ‘neuen Mittelklasse’
Im Jahr 1991 sackte die indische Wirtschaft in sich zusammen, Schuldenkrise. Um Finanzkapital zu mobilisieren setzte die Regierung in den folgenden Jahren auf Privatisierung und Öffnung des indischen Markts für ausländische Direktinvestitionen. In dieser Zeit pumpten sich Unternehmen wie DLF und Reliance zu privaten Immobilien- und Entwicklungsgiganten auf. Mit der wirtschaftlichen Umstrukturierung nach 1991 entstand neben einem neuen Massenelend auch eine neue Mittelschicht, die zur Zielgruppe des ersten Immobilienbooms wurde. In Gurgaon entstand außerhalb des alten Stadtkerns in den 1990ern eine ‘öffentlich-privat’ geplante und entwickelte Stadt, die sogenannte DLF-City. Dort zogen in erster Linie VertreterInnen der mittleren und oberen Management-Ebene ein. Gurgaon wurde für diese Bevölkerungsgruppe eine Alternative zum teuren und versmogten Süden Delhis.

2000: SEZ und Bubble
Gurgaon wird vom IT-Boom und der Auslagerungswelle von Call Centern aus USA und England erfasst. Mit Firmen wie Dell, Microsoft, SAP zieht eine neue ArbeiterInnenschicht nach Gurgaon, von Software-SpezialistInnen bis jungen TelefonarbeiterInnen aus allen Landesteilen Indiens. Im Stadtbild drückt sich diese Entwicklung in Glas und Beton aus. Zahlreiche moderne Bürogebäude werden aus dem Boden gestampft, große Shopping Malls entstehen und werden zu Treffpunkten der ‘Call Center Generation’, Manager treffen sich auf den neuen Golfplätzen. Die Eröffnung eines riesigen Industriegebiets in Manesar im Süden Gurgaons und die Ankündigung, in Gurgaon die größte Sonderexportzone Asiens zu eröffnen, lassen Land- und Immobilienpreise explodieren. Die neugebaute vierspurige Autobahn teilt Gurgaon in zwei Teile und wirkt als Entwicklungsschneise in Richtung Rajasthan. Die steigenden Landpreise zu beiden Seiten des National Highway 8 verändern das Hinterland.

1.3 Die Landnahme

Das Dreigestirn der privaten Immobilienriesen, der staatlichen Entwicklungsbehörden und der oberen Dorfhierarchie kooperiert arbeitsteilig bei der Landnahme als Voraussetzung der Urbanisierung. In den 1970ern entstand die HUDA (Haryana Urban Development Authority), eine staatliche Entwicklungsgesellschaft. Mit der HUDA wurden auch die gesetzlichen Regularien eingeführt, die es möglich machten, dass Neu-Gurgaon als quasi privat entwickelte und betriebene Stadt entstehen konnte. Das Rahmengesetz besagt, dass private Immobilienentwickler den Besitz von rund 400.000 Quadratmeter zusammenhängenden Lands vorweisen müssen, um darauf Wohnparks errichten zu dürfen. Die privaten Immobilienunternehmen können ‘privat’ Land von landbesitzenden Bauern kaufen. Gelingt dies nicht, kann HUDA ‘im allgemeinen Interesse’ auf Grundlage eines festgelegten Mindestpreis Bauern dazu zwingen, Land zu verkaufen. Das ‘allgemeine Interesse’ ist Auslegungssache. So beschweren sich einige Bauern, dass HUDA erworbenes Land später an das private Entwicklungsunternehmen Reliance für den Bau der SEZ oder als ‘Naturschutzgebiet’ deklariertes Land an Wohnungsbauunternehmen verkauft hat. In Gurgaon sind diese ‘Zwangsverkäufe’ allerdings seltener. Sie funktionieren als Drohkulisse im Hintergrund. Der Hauptanteil des Landes wird von den privaten Unternehmen direkt gekauft.
Beim Kauf des Landes können die privaten Entwicklungsfirmen auf die bereits im Dorf existierende Hierarchie setzen. Zuerst werden die ‘autorisierten’ Mitglieder des Dorfrats als Vermittler angesprochen. Dass dies nicht immer reibungslos abläuft, zeigen die vereinzelten Kämpfe um die Landnahme für die SEZ. Das bei geglücktem Handel strömende Geld transformiert die dörfliche Hierarchie in eine urbane: die Bauern mit größerem Landbesitz verwandeln sich in Geschäftsleute. Manchmal re-investieren sie in Bauland, oder sie bauen Häuser, die sie weitervermieten; die Kleinbauern verkonsumieren ihre Einnahmen bei der Anpassung an das Stadtleben und die Landlosen müssen sich eine neue Lohnarbeit suchen. Vor allem nach dem Crash 1991 wurden viele Arbeitsplätze ‘im öffentlichen Dienst’ gekürzt. Diese Jobs hatten es der kleinbäuerlichen Schicht erlaubt, neben dem staatlichen Einkommen ihr Land weiterzubewirtschaften. Heute bleiben sogenannte ländlichen Arbeitsbeschaffungsmassnahmen (Rural Employment Schemes). Diese garantieren auf dem Papier 100 Tage bezahlte Arbeit für die arme Landbevölkerung, z.B. im Straßenbau. Tatsächlich gibt es diese Jobs kaum, bzw. der Lohn reicht nicht aus, um landlos auf dem Land zu überleben. In Gurgaon wurden diese ländlichen Arbeitsbeschaffungsmassnahmen urbanisiert. So sind z.B. einige der Straßenfeger vor den Shopping Malls über diese Maßnahme beschäftigt. Sie bekommen zwischen 500 und 1.000 Rupies im Monat für einen offiziellen acht Stunden Tag. Allerdings „sitzt der Boss weit weg in Delhi“ und kann die Arbeitszeiten daher nicht überwachen.

1.4 Die Sonderentwicklungszone (SEZ) und der Widerstand der bäuerlichen Bevölkerung

Der momentane Kampfplatz der Urbanisierung breitet sich auf rund 100 Quadratkilometer aus. So groß ist die Fläche der entstehenden Sonderexportzone. Sie soll Asiens größte zusammenhängende SEZ werden und 34 Prozent der bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche im Umland Gurgaons bedecken. Offizielle Zahlen sprechen von 200.000 zukünftig neugeschaffenen Arbeitsplätzen. Zudem soll ein Güterbahnterminal, ein Güterflughafen und ein Kraftwerk auf dem Gelände der SEZ entstehen. Bis heute, Ende 2007, haben noch keine Baumaßnahmen begonnen, aber das Land für die SEZ ist bereits zusammengekauft worden.
Hauptentwickler der SEZ ist Reliance, eines der größten privaten Unternehmen Indiens. Reliance begann in den frühen 1980ern als Chemieunternehmen, setzte dann auf den Kleinanleger-Börsenboom, weitete sich durch Aktienverkauf und politische Allianzen auf den Telekommunikations- und Energiesektor aus und stieg schließlich auch ins Immobiliengeschäft ein. Die Zusammensetzung der SEZ ist noch relativ unklar, unklar ist auch, ob die 200.000 angeblichen Jobs tatsächlich neugeschaffene Arbeitsplätze sein werden. Vermutungen werden laut, dass existierende Arbeitsplätze aus der Umgebung in die SEZ verlagern werden oder Reliance und DLF gar nur an dem Land interessiert sind und letztendlich dort weitere Golfplätze und Shopping Malls bauen werden. Es sind bereits kleinere Textil-SEZ, IT-SEZ, SEZ für Nahrungsmittelproduktion und ‘Multi-Product’-SEZ beantragt. Orient Craft, der größte Bekleidungsmittel-Exporteur Indiens, der bereits 70.000 bis 80.000 TextilfabrikarbeiterInnen in Gurgaon beschäftigt will in der eigenen Textil-SEZ kleinere Unternehmen zusammenbringen, was angesichts der schwierigen Lage der lokalen Textilindustrie (siehe Abschnitt zur Textilindustrie) darauf hindeutet, dass in vielen Bereichen eine Verlagerung und Konzentration und keine Neuschaffung von Jobs stattfinden wird. Rein rechtlich sind Unternehmen, die innerhalb der SEZ produzieren, von Ein- und Ausfuhrzöllen, Verbrauchsteuern, Dienstleistungssteuern und anderen Abgaben und für die ersten Jahre von der Einkommenssteuer befreit. Viele dieser Geschäftsvorteile sind bereits in den verschiedenen Cyberparks, Zulieferparks, Industrial Model Towns in und um Gurgaon gegeben. Warum also eine SEZ? Die traditionellen Linke schießt sich in erster Linie auf die Steuerbefreiung ein. Es wird kritisiert, dass der Staat dem Kapital Geld schenkt. Hinzu kommt die Kritik, dass bestimmte gewerkschaftliche Rechte eingeschränkt werden sollen und die generelle nationalistisch gefärbte Kritik, dass für das Ausland bzw. von ausländischen Unternehmen zu Billiglöhnen produziert wird. Wenn wir uns die SEZ in Vietnam und Bangladesh ansehen, können wir feststellen, dass dort die Löhne tendenziell höher liegen, als in vergleichbarer Industrie außerhalb der SEZ. In Gurgaon sind die Gewerkschaften gerade in den ‘ausländischen’ Großunternehmen vertreten und eben nicht in den kleinen lokalen Betrieben.
Was wird die SEZ also für die ArbeiterInnen bedeuten?
Ein Fakt hat die SEZ bereits geschaffen: es hat Finanzströme aus verschiedenen Kapitalien und Regionen (u.a. Vereinigte Arabische Emirate, Malaysia, Singapur) gebündelt und zusammen mit der Staatsmacht im Hintergrund dafür gesorgt, dass eine enorme Fläche Agrarlands in potentielles Industrie- und Stadtgebiet umgewandelt wird. Die Verlagerung und Konzentration von Unternehmen aus der Region ist absehbar, so wurde im Juli 2007 von Massenschließungen kleiner Betriebe in NOIDA berichtet, die mit der SEZ in Zusammenhang gebracht werden können. Eine weitere Folge der SEZ wird deutlich, wenn wir uns die strukturellen Veränderungen der verschiedenen Industriegebiete ansehen. Im ältesten Industriegebiet in Faridabad leben die ArbeiterInnen – oft in illegalen Siedlungen – meist in unmittelarer Nähe der Fabriken. In den Industriegebieten gibt es viele kleine Läden, Teestuben, also soziale Treffpunkte. Im neueren Industriegebiet Udyog Vihar in Gurgaon wohnen keine Menschen, es gibt aber ein ähnliches Straßenbild. Es läuft ständig eine Masse von Leuten herum oder steht an Ecken und Teebuden oder vor den Essensständen. Im 2002 eröffneten Industriegebiet Industrial Model Town (IMT) in Manesar, sind die Straßen so gut wie leer. Viele ArbeiterInnen werden von Bussen zur Arbeit gebracht, die meisten Fabriken haben Kantinen. In den bereits bestehenden SEZ, z.B. in Bangalore, brauchen die ArbeiterInnen Ausweise, um das Gelände betreten zu können, es gibt eine striktere Überwachung, eigene Polizeieinheiten. In Gurgaon steht mit der SEZ die Fortführung dieser bisherigen Veränderungen auf der Tagesordnung. Auf diese werden die ArbeiterInnen eine Antwort finden müssen, denn der ‘Widerstand’ der lokalen Bauern wird die SEZ nicht verhindern. Der Staat reagierte bisher auf den ernsthaften Widerstand in Mumbai, Singur und Nandigram und den folgenden öffentlichen Diskurs, indem beim SEZ-Gesetz nachjustiert wurde. Z.B. sollen die SEZ der einzelnen privaten Entwicklungsunternehmen auf eine bestimmte größe beschränkt werden und bestimmte Dienstleistungen (u.a. Einkaufszentren) keine Steuerbegünstugungen erhalten.

Der Widerstand gegen die SEZ
In einigen Dörfern gibt es Widerstand gegen die ‘Landnahme’ für die SEZ, wobei die Aktionen vor allem von Bauern getragen werden, die ihr Land bereits an den Staat Haryana verkauft haben und sich nach den Landpreissteigerungen der letzten Zeit aber über den Tisch gezogen fühlen. Sie wollen verhindern, dass der Staat das erworbene Land an den privaten Entwickler der SEZ Reliance weiterverkauft. Sie berufen sich auf die Tatsache, dass sie das Land ‘im öffentlichen Interesse’ verkauft hätten.
Einer der ersten Proteste am 28. März 2007 war auch gleichzeitig der von seiner Zielrichtung her interessanteste. Die BewohnerInnen des Dorfes Gadauli Khurd sahen sich mit Bulldozern und Schergen der HSIIDC (*) konfontiert, die einige Häuser und Brunnen für die weitere Entwicklung abreißen wollten. In Dadauli Khurd stehen 1,2 Quadratkilometer Land zur Debatte, welches bereits von der HSDIIC gekauft wurde und nun an Reliance weitergegeben werden soll. Die DörflerInnen blockierten die Bulldozer und empfingen Maschinen und Autos mit Steinhagel. Der Abriss der Häuser konnte zumindest für die folgenden Tage verhindert werden. Der DC (*) von Gurgaon kündigte aber bereits einen größeren Polizeieinsatz an. In der Zeitung wurde nichts mehr von diesem Konflikt geschrieben.
Im April 2007 trafen sich rund 1.000 Bauern der Gegend zu einer Protestkundgebung. HSDIIC kündigte an, dass der Mindestpreis für ein Acre (4000 Quadratmeter) nachträglich von 25.000 auf 35.000 Rupies erhöht wird. Dies musste unbefriedigend für die Bauern bleiben, in Manesar wird das Acre momentan mit rund 12.000.000 Rupies gehandelt.
Im Mai 2007 blockieren 250 DorfbewohnerInnen den National Highway, und der Panchayat (*) macht ‘Externe’ und ‘asoziale Elemente’ dafür verantwortlich. Die politische Klasse versucht den Konflikt zu instrumentalisieren. Die Partei INLD (Indian National Lok Dal) unterstützt z.B. offiziell die Aktion und ruft zur Abwahl der Landesregierung von Haryana auf. Die INLD war bezeichnenderweise Regierungspartei im Jahr 2004, als die Verträge zur Landnahme für die SEZ unterschrieben wurden. Im Juni 2007 drohen auf einer Versammlung mehrere Bauern mit Selbstmord. Ihr Problem teilen viele Bauern: sie können keine offiziellen Dokumente vorweisen, die sie als Landbesitzer auszeichnen. Im folgenden ein kurzer Bericht von einer Protestversammlung im Mai 2007. Er macht deutlich, wie das einströmende Geld die existierenden Spaltungen im Dorf vertieft.

Besuch in einem der Dörfer, die der SEZ weichen müssen, Mai 2007
(Bericht eines Aktivisten aus Delhi, Aseem Shrivastava)
„Wir waren in Badli, einem Dorf mit rund 11.000 EinwohnerInnen. Die BäuerInnen haben vor kurzem ein Kisan Jagrukta Samiti gegründet, ein Bauern-Komitee für die Schaffung von kritischem Bewusstein gegenüber der SEZ. Zu dem Treffen am 1.Mai kamen mehrere hundert Bauern aus 20 Dörfern der Umgebung. In der ersten Ansprache wurde die Rolle des Staats kritisiert, der als Vermittler zwischen privaten Entwicklungsunternehmen, also den Landkäufern und den Bauern agiert. Die Ansprache war kaum beendet, als eine Gruppe von 20 jungen Männern den Versammlungsort betrat. Diese waren im Gegensatz zu den Anwesenden sehr modern gekleidet. Sie warfen ein, dass die meisten Bauern sich gern von ihrem Land trennen würden und dass die Organisatoren des Treffen bereits an Reliance verkauft hätten und nun nur den Preis nachträglich hochtreiben wollten. Sie ließen die folgenden Redner nicht zu Wort kommen und wurden handgreiflich. Später stellte sich heraus, dass die meisten von ihnen tatsächlich aus Badli und umliegenden Dörfern kamen. Ihnen sind Jobs in der zukünftigen SEZ versprochen worden. Viele der Bauern fühlen sich über den Tisch gezogen: „Was sind 150.000 oder 200.000 Rupies für 4.000 Quadratmeter Land? In Gurgaon sind die Preise mittlerweile auf 20.000.000 angestiegen“, meinte Mani Ram, ein ansässiger Bauer. Ein anderer Bauer widersprach der oft von Reliance verbreiteten Aussage, dass das Land unfruchtbar sei. Ein weiteres Problem besteht darin, dass mehr als 30 Prozent der Dorfbevölkerung überhaupt kein Land besitzt (für andere Dörfern wird die Zahl mit 50 Prozent angegeben) und nun ohne Kompensation die Heimat und Arbeitsmöglichkeit verliert. Eine erste Aktionsform des Komitees bestand darin, die von Reliance aufgestellten Masten für die Stromleitungen umzulegen“.

1.5 Die Landpreis- und Immobilienblase und Auswirkungen auf das Alltagsleben

Mit der Landnahme ist das Agrarland zur Ware und Aktie auf zukünftige Nutzung als Bau- und Industrieland geworden. Der indische Börsenboom und ausländische Finanzströme, vor allem aus Dubai und Singapur suchen, Anlagemöglichkeiten und finden sie. Zu den Hauptunternehmen in Gurgaon gehören Reliance Ltd., Omaxe (Dubai), Vipul, DLF, Unitech, Emaar Properties (Dubai), IJM Corp (Malaysien), Lee Kim Tah Holding (Singapur) und die Salim Group (Indonesia). US-Banken kaufen sich über diese Unternehmen zunehmend in Bauprojekte ein. Allein in 2005 und 2006 wurden folgende Großprojekte für Gurgaon angekündigt und z.T. begonnen: Entwicklung der SEZ mit Flughafen und Kraftwerk, eine 30 Kilometer Verlängerung der U-Bahnlinie von Delhi nach Gurgaon, Ausbau des National Highway bis an die Rajasthanische Grenze, der Bau einer integrierten Wohnsiedlung von der größe Manhattans (DLF/Nakheel), die weltweit größte Shopping Mall (DLF Universal) und mehrere Wolkenkratzer mit über 100 Stockwerken. Die enormen Steigerungsraten haben eine Eigendynamik: die steigenden Preise ziehen Geld an, die Ankündigung eines Mega-Bauprojekts jagt die andere, was wiederum die Preise weiter steigen lässt.
Um den Druck der Immobilienblase zu halten, hat DLF im Sommer 2007 das größte Börsengeschäft in der indischen Geschichte abgewickelt und in einem einzigen Deal Aktien im Wert von zwei Milliarden US-Dollar an Anleger verkauft. Die Regierung warnt vor Überhitzung und will den Kreditmarkt für Immobilien regulieren, ein zweifelhaftes Unterfangen, denn ein Großteil des Geldes für den Immobilienmarkt wird auf dem sogenannten Alternative Investment Market zusammengezogen. Baulandpreise in Gurgaon haben sich zwischen 2004 und 2006 vervielfacht. Für Bauland im Zentrum Gurgaons wird um die 200 Euro pro Quadratmeter gezahlt. Zwei- oder Dreizimmer Appartments in den Mittelstandsiedlungen werden für 20.000.000 bis 60.000.000 Rupies gehandelt, also zwischen 200.000 bis 1.000.000 Euro. Vor allem im Ausland wohnende InderInnen gehören zur Käuferschicht. Call-Center-Unternehmen beschweren sich, dass sich die Büromietpreise mittlerweile auf US-Niveau bewegen.
Die Hälfte des Landbesitzes des Immobilienriesen liegt in und um Gurgaon. Die Hauptprojekte sind dort konzentriert. DLF muss daher für Ruhe sorgen. Das Land ist kein Land, es ist eine Aktie. Auf einem etwas Fußballfeld-großen Stück Brachland an der Vishwakarma Road lebten über 200 Menschen auf einer öffentlichen Müllhalde. Anfang 2007 ließ DLF den Slum räumen. Seitdem umstellen 48 mit Stöcken bewaffnete Wächter das Land, aufgeteilt in zwölfstündige Tag- und Nachtschichten. Seit Monaten stehen die Wächter im Abstand von rund 50 Metern voneinander, es gibt keinen Schatten. Sie verdienen 3.250 Rupies im Monat, womit sie sich nicht viel mehr leisten können, als eine Hütte, ähnlich wie jene, die zuvor auf diesem Land lebten. Die steigenden Landpreise sickern in alle gesellschaftlichen Beziehungen, bis in die informelle Ökonomie und die Slums. Keine fünf Minuten von dem geräumten Slum entfernt sitzen zwei junge Männer aus Bihar hinter einem Teekocher. Sie verkaufen Tee an die ArbeiterInnen der umliegenden Fabriken. Bei einem täglichen Umsatz von 100, 200 Tees für drei Rupies ist dies kein schlechtes Geschäft. Doch auch die zwei Quadratmeter, die sie mit dem Gaskocher besetzen, sind Teil eines größeren Geschäfts. Ein Traktor hält, vier junge Männer springen ab, ohrfeigen die Teeverkäufer und nehmen ihren Teekocher mit. Die Teekocher hatten keine Erlaubnis der lokalen ‘Mafia’, an die Abgaben zu entrichten sind. Manchmal müssen die BetreiberInnen der kleinen informellen Stände Abgaben an die Mafia, manchmal an die Polizisten entrichten.

1.6 Die Umwandlung von Bauerndörfern in Auffangbecken für die neue Arbeitskraft

Nach der Landnahme und im Zuge der industriellen Entwicklung wandeln sich die ehemaligen Bauerndörfer. Sie werden Auffangbecken für die massenhaft einwandernden ProletarierInnen. In Indien gibt es keinen öffentlichen Wohnungsbau, kaum Werkswohnungen. Industriegebiete werden detailgenau geplant, aber für die zukünftigt dort beschäftigten Tausenden von ArbeiterInnen wird kein Wohnraum eingeplant. Der Staat verlässt sich auf informelle Lösungen: die Slums und Schlafdörfer. In Gurgaon gibt es zahllose dieser Dörfer. Sie behalten meist ihren alten Namen, zum Beispiel Chakkarpur. Chakkarpur spiegelt die Zerissenheit Gurgaons wider, im Abstand von 500 Metern liegen Shopping Malls, Plastilplanenslums, Villen und Arbeiterbaracken – Fotos eines Spaziergangs in Chakkarpur findet ihr auf der Website. Vor zwanzig Jahren dürften nicht viel mehr als tausend Menschen in Chakkarpur gelebt haben, man erkennt die ‘alte Generation’ noch an ihrer bäuerlichen Kleidung. Sie sind heute in der Minderheit, in den letzten Jahren sind vier-fünf-sechs-sieben tausend ArbeiterInnen aus West Bengalen, Uttar Pradesh, Bihar und anderen ärmeren Bundesstaaten nach Chakkarpur gezogen. Die zu Geld gekommenen ehemaligen Bauern bauten sich selbst größere Familienhäuser und haben verschiedene Mieteinahmen: Bauland wird oft vorübergehend zur Slumbildung vermietet. Für eine Plastikplanenbehausung, bewohnt von vier bis fünf Leuten, wird um die 500 bis 800 Rupies pro Monat erhoben. Die BewohnerInnen der Slums sind meist Fahrrad-Rikshafahrer, Hausangestellte für den Mittelstand oder Reinigungskräfte. Oft wohnen hunderte Menschen auf diesem Bauland. Es kann passieren, dass sie innerhalb von wenigen Tagen ihre Hütten abreißen müssen. Neben den Slums gibt es in Chakkarpur viele Flachbauten, oft in den Hinterhöfen der ehemaligen Bauern, jetzt Vermietern. Hier wohnen Familien von Fabrikarbeitern oder Security Guards in acht Quadratmeter großen Zimmern. Sie zahlen für diese 1.000 bis 1.500 Rupies im Monat. Ein Flachbau beherbergt meist zwanzig bis dreißig dieser Zimmer, eine oder zwei Latrinen. In diesen Hinterhöfen steht nicht selten noch eine Alibi-Kuh, als Erinnerung an das vergangene Bauernleben. Dazu kommen modernere Mietshäuser für besserbezahlte Büroangestellte und Call-Center-Beschäftigte. Oft teilen sich drei bis vier Jungs eine Zwei-Zimmerwohnung. Hier liegen die Mieten bei 3.000 bis 5.000 Rupies für Zimmer-Küche-Bad. Chakkarpur ist kein Industriedorf, wie z.B. Mujesar in Faridabad (siehe Artikel zu Autoindustrie). Es gibt außer vereinzelten Nähstuben keine eigentliche Werkstattökonomie. Die Werkstätten, die es dort gibt, sind meist Reparaturwerkstätten für Hausgeräte der umliegenden Mittelstandssiedlungen. Für die arme Bevölkerung in Chakkarpur ermöglicht die räumliche Nähe zum Reichtum in Form von Industriegebieten, den Call Centern (Security Guards etc.), Shopping Malls (Rikshafahrern etc.) und Reichensiedlungen (Hausarbeit etc.) zum einen Beschäftigungsmöglichkeit, zum anderen erschwert es ihre Lebenssituation: die Lebensmittelpreise und Mieten sind enorm hoch, ebenso der soziale Druck, sich unter den Augen der reichen Nachbarn ‘unsichtbar’ zu machen.

1.7 Die Slumbildung, das Dienstleistungsproletariat und die entstehende Angst der oberen Mittelschichten

Die Reaktion der reichen Bevölkerungsschichten auf die Umzingelung ihres Wohnraums durch Slums und Armenbehausungen ist ihrer Klassenlage entsprechend schizophren. Sie wollen die Slums nicht sehen, den Geruch nach Scheiße und schlechtem Essen nicht in ihre Wohnzimmer geweht bekommen, andererseits versorgt der Slum ihr Häuser und Büros mit Dienstleistungen: Küchenkräfte, WäscherInnen, BüglerInnen, Kindermädchen, Reinigungskräfte, Rikshafahrer, Prostituierte. Der Zusammenhang zwischen Slumansiedelung und lokaler Ökonomie wird oft erst dann erkennbar, wenn die unsichtbaren Fäden zerrissen werden. Dies geschah z.B. am 24. April 2007, als rund 800 Plastikplanenhütten in einer großen Slumsiedlung an der sogenannten Golf Course Road in Gurgaon abfackelten. Bei dem Feuer wurde erstaunlicher Weise niemand verletzt, allerdings wurden viele Fahrrad-Rikshas der hauptsächlich aus West-Bengalen stammenden BewohnerInnen zerstört. Während der ersten zwei Tage nach dem Feuer schickten Manager der umliegenden Bürotürme Leute, die sich nach dem Verbleib der Putzkräfte erkundigen sollten, denn hunderte der rund 1.500 nun obdachlosen ArbeiterInnen erschienen nicht zum Dienst.
Neben dem Verlangen nach billigen Arbeitskräften und der damit verbundenen Akzeptanz ihrer billigen temporären Unterbringung steigt die Angst der oberen Mittelschichten vor der Unterklasse. Insgesamt ist die allgemeine Kriminalitätsrate trotz der extremen Armut sehr niedrig. Gewalt entlädt sich vor allem innerhalb der Familie oder in Massentumulten. Nichtsdestotrotz werden gerade die eingewanderten ArbeiterInnen in Gurgaon zum Opfer der Meinungsmache und der polizeilichen Aufrüstung. Viele öffentliche Orte sind der Mittelklasse vorbehalten. So würden die meisten ProletarierInnen keinen Fuß in die Shopping Malls setzen oder an den Wachposten der Wohnparks vorbeikommen. Ein Artikel in einer lokalen Tageszeitung spricht von „50.000 eingewanderten Arbeitern, die rund um DLF City in Slums wohnen. Bewohner der DLF Siedlung wünschen, dass diese Arbeiter identifiziert oder sogar entfernt werden, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellen“.
Regelmässige Polizeirazzien werden durchgeführt, angeblich, um ‘illegale ArbeiterInnen’ und ‘Kriminelle’ auszuheben, de facto geht es um die Kontrolle einer diffusen industriellen Armee. Die Tatsache, dass die lokale Polizei nicht nur anti-proletarische Razzien durchführt, sondern auch tief in den Gurgaon Organhandel-Skandal (siehe Abschnitt zum medizinisch-industriellen Komplex) verstrickt war, spricht für sich.

„Gurgaon: Razzien gegen illegale Einwanderer
Gurgaon, 27. Dezember 2007: Die Polizei führte heute Razzien in Slums durch um illegale Einwanderer dingfest zu machen. „Die Razzien wurden angeordnet, nachdem die Kriminalitätsrate in den Slums der Sheetla Colony und Devilal Colony angestiegen war“, sagte der Polizeisprecher Surender Singh. „Illegale Einwanderer sind eine Bedrohung für Gurgaon. Mehr als 250 Arbeiter wurden auf die Polizeistation in Sektor 5 gebracht, um ihre Papiere zu überprüfen. Obwohl die meisten von ihnen indische Papiere vorweisen konnten werden weitere Untersuchungen stattfinden, um illegale Einwanderer zu finden, so Singh. Laut erster Erkenntnisse kamen 149 Arbeiter aus Madhya Pradesh, 31 aus Uttar Pradesh, 12 aus Assam und 13 aus West Bengalen. Die Razzien werden in der nächsten Woche auf das ganze Stadtgebiet ausgeweitet.
(Express News Service : Posted online, Friday , December 28, 2007)

Mag dem einen oder anderen Angehörigen der oberen Mittelschicht der Slum chaotisch und subversiv vorkommen, so ist den meisten, nicht zuletzt den Staatsorganen bewusst, wie durchhierarchisiert und kontrolliert die meisten ‘illegalen Siedlungen’ sind. Die politische lokale Klasse hat Mittelsmänner in den meisten Slums, die bei Unterstützung für diese oder jene Partei einen sicheren Status des Slums versprechen. Der Staat hat also nicht nur aus materiellen Gründen – niedrige Reproduktionskosten der Arbeitskraft – sondern auch aus politischen Gründen – die Räumung als Druckmittel – ein Interesse am Fortbestand vieler ‘illegaler Siedlungen’.

1.8 Der Boom des Überbaus und die nachhinkende urbane Infrastruktur

Der Bau-Boom verlangt nach einer schnellen Umsetzung von Projekten, der rechtliche Rahmen der ‘privat-öffentlichen’ Stadtentwicklung macht es möglich. Wie gesagt, solange eine Mindestgröße an zusammenhängendem Bauland vorhanden ist, kann überall gebaut werden. Das führt dazu, dass die Wohnparks oder Bürogebäude im Brachland verstreut sind, denn den Bauort haben die Preise bestimmt. Die entstehenden Inseln fügen sich weder optisch noch strukturell zu einem ganzen zusammen. Die Wohntürme schnellen in die Höhe, aber dem Überbau fehlt die Infrastruktur. Die Anbindung an öffentlichen Transport, an Strom- und Wasserversorgung, die Müllentsorgung kommt nicht nach. Dies ist Ausdruck der Widersprüchlichkeit kapitalistischer Urbanisierung, die ‘Problemlösung’ ist ebenfalls kapitalistisch: das eigene Unvermögen wird kommerzialisiert, die ‘öffentliche Unterversorgung’ wird in ein Privatgeschäft verwandelt. Den Mangel an Wasser, Strom, Transport bekommen nur die zu spüren, die sich keine Wasserpumpen und Tanks, keine Generatoren und Batterien, keine Taxis oder individuelle Motorisierung leisten können. Diese ’systematische’ und vom Staat mitgetragene Vernachlässigung drückt sich auch darin aus, dass es für weite Teile des neuen Stadtgebiets keine öffentliche Verwaltung gibt, die z.B. wie sonst üblich Steuersätze für öffentliche Leistungen erheben würde. Die Gebühren für Straßenbeleuchtung, Müllentsorgung, Abwasser werden von den privaten Entwicklungsunternehmen eingezogen.

Wasser, Müll und Transport
Das Stadtwachstum gräbt sich selbst das Wasser ab. Es gibt hunderte unkontrollierter privater Wasserbohrlöcher, genutzt und betrieben sowohl von der Industrie, also auch von Wohnparks der Neureichen und deren Shopping Malls. Allein DLF betreibt 60 inoffizielle Bohrlöcher für Wohnparks. Gleichzeitig sind nur 40 Prozent dieser Wohnparks an ein Abwassersystem angeschlossen, der Rest versickert auf ungeklärte Weise. Ähnlich die Sahara Shopping Mall, sie allein verbraucht täglich 100.000 Liter Wasser und nebenbei rund 5.000 Liter Diesel täglich für Stromgeneratoren. Gurgaons Wasserversorgung hängt zu 70 Prozent vom Grundwasser ab. Der Grundwasserpegel ist von 15 Metern Mitte der 1980er auf aktuell 40 Meter gesunken und sinkt jährlich um ein bis zwei Meter weiter, er wird unerreichbar für einfache Brunnen, tendenziell ausgeschöpft. Die öffentliche Wasserversorgung ist auf wenige Stunden am Tag reduziert. Die Mittelschicht kompensiert das mit Wassertanks, die ProletarierInnen, müssen sich zu mehreren Familien einen Wasserhahn teilen. Der Wasserverbrauch pro Familie liegt selten höher als 10 bis 20 Liter. Vor allem die hausarbeitenden Frauen geraten zunehmend in Schwierigkeiten, aber sie wissen sich zu wehren.
Ähnlich wie die Wasserversorgung wird die Müllentsorgung privat und weitestgehend informell organisiert. Es gibt zahlreiche illegale Müllhalden, die Armut garantiert das Recycling. Der Müllabtransport von den Häusern zu den Sammelplätzen basiert weiterhin auf der Kastenstruktur. Selbst in der Millionen-Metropole Delhis wird der Müll eimerweise von Familien der untersten Kasten abgeholt und aussortiert.
Auch der öffentliche Transport spiegelt den Klassencharakter wieder. Viele ArbeiterInnen gehen zu Fuß zur Arbeit, hunderte müssen dabei den National Highway überqueren. Da es keine Fußgängerüberwege und wenige Unterführungen gibt, passieren wöchentlich tödliche Unfälle. Die öffentlichen Busse fahren unregelmäßig und sind meist extrem überladen. Delhi-Stadt hat viele Buslinien an private Betreiberfirmen ausgelagert, in eingen Fällen an Selbständige mit einem einzigen Bus, die wiederum Kartenverkäufer und Kontrolleure als Selbständige engagieren. Der Wettbewerb ist hart, die Blue Lines werden auch Killer Lines genannt, weil sie regelmäßig Verkehrsunfälle produzieren. Allein in Delhi haben diese Blue-Lines-Busse bereits 110 Menschen getötet. Viele PendlerInnen sind auf Sammeltaxis angewiesen, die normalerweise Call-Center-ArbeiterInnen transportieren und bei Leerfahrten Extrageld mit zufälligen Passagieren machen. Busse, die vom Unternehmen gestellt werden, um FabrikarbeiterInnen zur Arbeit zu bringen, stehen oft im Zentrum von Konflikten, z.B. wenn LeiharbeiterInnen fordern, diese auch benutzen zu dürfen. Bei zugespitzen Konflikten werden die Busse zum ersten Mittel der Aussperrung, einfach dadurch, dass sie nicht in die Dörfer losgeschickt werden. Die Eisenbahn wird in Gurgaon kaum genutzt, in Faridabad dagegen kommt es regelmäßig zu Auseinandersetzungen, weil Tausende von ArbeiterInnen auf verspätete Penlderzüge warten müssen.
Das durch die Urbanisierung entstehende Risko, der Mangel und die Extraarbeit schlagen fast ohne Vermittlung auf die ProletarierInnen durch. Ein älterer ehemaliger Fabrikarbeiter, jetzt Wachmann sagte in einem Gespräch: „Die Armen sehen alles, was vor sich geht“, und wenn man durch Gurgaon geht sieht man tatsächlich den Klassencharakter in allen Aspekten dieser Stadt. Wasserversorgung oder Busverbindungen sind keine ‘Bürgerprobleme’, sondern ein Politikum im Klassenkampf. Es verwundert nicht, dass die permanente Anspannung, der Stress sich regelmäßig entlädt, in Riots nach Slumräumungen, Verkehrsunfällen oder wegen Zugverspätungen, in spontanen Blockaden wegen mangelnder Wasser- oder Stromversorgung.

1.9 Urbane Kämpfe: Straßenblockaden und Riots gegen die Mängel des Stadtlebens

ProtagonistInnen der folgenden Beispiele von Kämpfen sind proletarische Frauen und Jugendliche. Vor allem Frauen müssen den urbanen Mangel durch Mehrarbeit ausgleichen, z.B. an den Wassertanks Schlange stehen oder die Konsequenzen der staatlichen Stadtplanung kompensieren. In Delhi kommt es jährlich zu Massenvertreibung von SlumbewohnerInnen. Der Staat zerstört die illegalen Siedlungen im Stadtzentrum und versucht, die BewohnerInnen in den Außenbezirken neu anzusiedeln. Die Männer kehren meist sofort zurück ins Zentrum der Stadt, nur dort gibt es Arbeit. Die Frauen mit den Kindern müssen sich in der neuen Situation – ohne Behausung oder Infrastruktur – reorganisieren. In Bezug auf viele dieser Proteste bleibt als interessante Tatsache festzuhalten, dass der National Highway bzw. die größeren Straßen sowohl Konfliktpunkt (Verkehrsunfälle), als auch Ort und Hebel des Protests (Blockaden) geworden sind.

Piquete/Wasser
Das tägliche Abschalten des Wassers und des Stroms betrifft die Leute in Gurgaon sehr unterschiedlich, aber im Grunde liegt es außerhalb ihrer Kontrolle. Es ist wie ein zweites Wetter, und so wird meistens darüber geredet. Die Umleitung des Wassers, das für die Bewässerung der Country Clubs, der Golf Kurse und Parkanlagen der Shopping Malls verschwendet wird, würde bereits das Wasserproblem der tausenden Armenhaushalte lösen. In Gurgaon ist die Frage der Verteilung von Wasser also nicht abstrakt sondern unmittelbar. Proletarierinnen fangen an, das zweite Wetter in Frage zu stellen und die Wettermacher anzugreifen.

Gurgaon, 17. Mai 2007
„Mindestens 200 wütende Frauen der Saraswati Enclave in Gurgaon verschafften sich lautstark Gehör. Sie nahmen die Sache in die eigenen Hände und zogen vier Motorradfahrer von ihren Rädern als diese versuchten, ihre Straßenblockade zu durchfahren. Die Straße wurde drei Stunden lang dichtgemacht, als Protest gegen die mangelnde Wasser- und Stromversorgung der letzten zwei Monate. Die Situation auf der Pataudi-Khandsa Straße war ähnlich, wo Frauen ebenfalls die Straße blockierten. Polizisten wurden lautstark daran erinnert, dass auch sie Frauen und Kinder haben, die Wasser und Strom brauchen“. (The Tribune)

Zwei Tage später reden die Männer in der Saraswati Enclave nicht viel über den Vorfall. Sie sagen, dass sich der Protest auch gegen das stehende Abwasser in den Straßen richtet, gegen die Gesundheitsgefahr, sprich Malaria und Dengue-Fieber. Der Protest fing an, weil einige Nachbarinnen sich auf der Straße versammelten und immer mehr Leute anzogen. Es hätte keine offizielle Organisation hinter dem Protest gegeben. Kurz danach kam es zu ähnlichen Szenen in benachbarten Industrievororten.

Faridabad, 6. Juni 2007
„Rund 500 Bewohner Atalis, in erster Linie Frauen und Jugendliche, blockierten heute morgen für vier Stunden die Balabgarh-Mohna Straße. Nachdem ein Polizist einen Jugendlichen geschlagen hatte, fing die Menge an Steine auf die Polizei zu werfen und beschädigten dabei mehrere Fahrzeuge der Behörden. Die Blockade wurde erst durch die Intervention der Dorfältesten beendet. Die Protesitierenden verlangten sofortigen Ersatz für einen seit längerem beschädigten Stromgenerator“.

Rohtak, 8. Juni 2007
„Wütend wegen des akuten Trinkwasser- und Strommangels blockieren hunderte Bewohnern von Kheri Meham die nahegelegene Hauptstraße. Die Bewohner hatten sich bereits in den frühen Morgenstunden versammelt und dann einige Traktorenanhänger quer auf die Straße gestellt. Die Bauern beklagten auch mangelndes Wasser für die Bewässerung. Die Blockade wurde für mehrere Stunden aufrechterhalten“.

Faridabad, 8. Juni 2007
„Bewohner Chandhuts blockierten die Durchgangsstraße als Protest gegen mangelnde Strom- und wasserversorgung. Als Polizisten versuchten, die Blockade zu räumen, wurden sie mit Steinen beworfen. Die Polizei setzte daraufhin Schlagstöcke ein und verhaftete 20 Protestierende“.

Riot/Verkehrsunfälle
Folgende Auseinandersetzungen fand in Yamunanagar, einer anderen Satelliten-Stadt in Haryana, und in Manesar statt. Die Vorfälle zeigten zum einen, dass der Straßenverkehr und mit ihm verbundene Unfälle in Indien noch einen klareren Klassencharakter haben: Autos und Lkw sind entweder Transportmittel von Unternehmen oder der Mittel- und Oberschicht. Die Arbeitsbedingungen der FahrerInnen (lange Schichten, Zeitdruck) und die Straßenverhältnisse verschärfen die Gefahr des Automobilverkehrs. Zum anderen zeigt sich in den Vorfällen die aufgestaute Wut, die nur einen Anlass braucht, um sich entladen zu können. Diese Entladungen können soziale Explosionen sein, in denen neue Ansprüche ausgedrückt werden, oder zu Implosionen werden, in denen sich Spaltungen innerhalb des Proletariats vertiefen.

Yamunanagar, 24. Mai 2007
„Der Ärger begann, als sich die Nachricht des Tods des Arzts in der Gegend verbreitete. Der Arzt wurde von einem Lkw der Kraftwerksbaustelle überfahren. Eine Menschenmenge versammelte sich und zog zur Baustelle der Reliance Energy Limited. Mehrere Fahrzeuge und Baustellencontainer wurden in Brand gesteckt, eine Geldkasse aufgebrochen. Arbeiter der Baustelle flüchteten. Vor Eintreffen der Polizei löste sich die Menschenmenge auf“.

Manesar, 8. August 2007
„Nachdem drei Pilger durch einen Lkw erfasst und tödlich verletzt wurden, blockierten AnwohnerInnen den National Highway 8 auf der Höhe des Industriegebiets IMT Manesar. Jugendliche aus der umliegenden Gegend zündeten Lkw, zwei Busse und Polizeifahrzeuge an und attackierten die Polizei mit Steinen. Diese setzte Schlagstöcke ein und schoss scharf. Es kam zu Verhaftungen“.

Riot/Transport
Ein weiteres Problem im proletarischen Alltag ist der Weg zur Arbeit. Dieser ist anstrengend, da meist mehrere Kilometer zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden müssen. Oder er ist gefährlich, weil Autobahnen und Schnellstraßen überquert werden, für die es keine Über- oder Unterführungen gibt. Im Juni 2006 sahen wir beim Verteilen der FMS, wie ein Schnellzug an einem unbeschrankten Bahnübergang zwei Textilarbeiter auf dem Weg zur Arbeit erfasst und tötet. Der Weg ist nicht nur gefährlich, sondern auch stressig, weil die Transportmittel meist überfüllt und oft verspätet eintreffen. Wenn zu einer 12-Stunden Schicht noch zwei, drei Stunden Arbeitsweg hinzukommen, erreichen Körper und Nerven ihre Grenzen. Hier ein Beispiel aus dem benachbarten Faridabad.

Bericht eines Pendlers

Anfang Juli 2006, morgens. Der 7:55 Mathura-Pendlerzug nach Delhi und der 8:15 Balabgarh-Zug haben New Town Station noch nicht erreicht, dabei ist es schon acht Uhr vierzig. Der Bahnsteig ist überfüllt. Als der Ballabhgarh-Zug eintrifft, gibt es ein großes Gedränge, es wird gedrückt und geschlagen, viele verpassen den Zug. In Old Town warten bereits 20.000 PendlerInnen auf den überfüllten Zug. Dieser ist auf dem Bahnsteig 1 erst halb zum Stehen gekommen, als die Leute den Fahrer aus der Lok zerren und anfangen, die Scheiben und Frontlampen der Lok einzuschlagen. Die Scheiben der Waggons gehen auch zu Bruch. Passagiere steigen aus dem Zug und fangen ebenfalls an, mit Steinen auf den Zug zu werfen. Die Frontscheiben einer abgestellten Güterlok werden auch eingeschmissen. Ein Schnellzug Mumbai-Delhi hält an einem entfernten Signal. Sowohl Signal als auch Scheiben des Schnellzugs werden demoliert. Die 20 Bahnpolizisten sind hilflos. Erst als eine Spezialtruppe der Polizei auftaucht, normalisiert sich die Situation.
Zwischen halb sieben und halb zehn benutzen täglich 100.000 ArbeiterInnen die Strecke zwischen Faridabad und Delhi. Es gibt nicht mal mehr Stehplätze. Leute werden beim Auf- und Abspringen verletzt. Die Eisenbahnverwaltung stoppt meist die lokalen Züge und gibt Schnell- und Güterzügen die Vorfahrt. Der eh schon enorme Zeitaufwand für den Arbeitsweg kann sich dadurch locker verdreifachen. Wenn man zu spät zur Fabrik kommt, wird man oft wieder nach Hause geschickt oder bekommt deftige Zurechtweisungen und Lohnkürzungen. Unter diesen Umständen werden PendlerInnen immer unter Spannung stehen.“

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