Gurgaon Workers News – Newsletter 12 – August 2008
Berichte zur Situation von ArbeiterInnen und ihrer Kämpfe in der miserablen Boom-Stadt Gurgaon, im Süden Delhis – englische Vollversion: www.gurgaonworkersnews.wordpress.com

*** 80-seitige Beilage der Wildcat 82 – August 2008 – zur Situation in Gurgaon: Stadtentwicklung; Lebens- und Arbeitsbedingungen der ArbeiterInnen der Call Center, Textil- und Autoindustrie; neue Qualität ihrer Kämpfe! Bestellen unter: http://www.wildcat-www.de

*** TextilarbeiterInnen, MaschinenbedienerInnen, BandarbeiterInnen für medizinische Artikel oder Autoteile, Coca Cola ArbeiterInnen oder Security Guards… -
Fortführung der kurzen Berichte von ArbeiterInnen aus verschiedenen Unternehmen in Gurgaon. Die Berichte wurden zwischen März und Juni 2008 von Freunden der Faridabad ArbeiterInnennachrichten gesammelt, in ihrer Zeitung abgedruckt und in den Industriegebieten verteilt. Insbesonders die TextilarbeiterInnen liegen an der langen Kette der internationalen Verwertung: die Fabriken beliefern u.a. Wal Mart, Tom Taylor, H&M, Marks&Spencers, Mexx, Karstadt, Quelle, Neckermann. Die meisten Berichte zeigen nicht viel mehr, als dass die offiziellen rechtlichen Standards nicht eingehalten werden: die Löhne entsprechen nicht dem Mindestlohn, die Arbeitszeiten sind zu lang, die ArbeiterInnen erhalten weder die obligatorische Krankenversicherungskarte noch den Unternehmerbeitrag zur Arbeitslosenunterstützung. Die Serie von wilden Streiks Ende 2007 hat aufgezeigt, dass nur ein ‘ungesetzmässiges’ Verhalten der ArbeiterInnen ihre Situation verbessern kann (siehe Gurgaon Workers News Nr. 10). Angesichts der aktuellen Rekordinflation von zwölf Prozent und sehr viel höheren Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und Gas wird dieses ungesetzmässige Verhalten in Zukunft mehr denn je ein notwendiger Akt.

*** Buch über Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen in Gurgaon und Noida -
Der Hauptteil dieses Buchs besteht aus vier sektoren-bezogenen Studien (Frauen in der Elektronikindustrie, in der Heimarbeit, in der Textilindustrie und im IT bzw. Call Center-Sektor). Für diese Studien wurden Arbeiterinnen aus Gurgaon und Noida interviewt und Gruppendiskussionen dokumentiert.
(Women Workers and Globalisation: Emergent Contradictions in India, by Indrani Mazumdar; Stree, Kolkata, for Centre for Women’s Development Studies, Delhi, 2007)

*** Drei Kurzgeschichten von jungen ArbeiterInnen im Streik, Frühling 2008 -
Sie arbeiten im Faridabad-Gurgaon Industriegürtel, beschäftigt von Gulati Exports, einem Textilunternehmen; von Action Construction Equipment (ACE), einem Traktorenhersteller; von Ilpea Paramounts, einem Autozulieferer. Die Geschichten beschreiben die Rolle der staatlichen Konfliktvermittlung durch das Labour Department, die Rolle von Polizei und anderen bezahlten Schlägern und nicht zuletzt das Problem, dass kämpfende ArbeiterInnen von ArbeiterInnen ersetzt werden.

*** Juli 2008 in Gurgaon: 1.500 Bullen sichern den ersten Bauabschnitt der Umrandungsmauer die neuen SonderExportZone – Eine Zusammenfassung von Zeitungsausschnitten über den Entstehungsprozess Indiens grösster SEZ. Der Widerstand gegen die SEZ ist widersprüchlich: zum einen werden ‘illegale Siedlungen’ plattgemacht, hier trifft der Bau die arme Bevölkerung. Den offiziellen Widerstand organisieren landbesitzende Mittelbauern, die höhere Preise für das zu verkaufende Land erzielen wollen. Im Laufe dieser ersten Bauaktion entstehen stundenlange Staus auf Indiens modernster Autobahn, dem National Highway 8, in erster Linie als Folge von Polizeiaktionen gegen mögliche Blockaden des Highways.

*** Die Stadt macht das Land
Auf dem Hintergrund der Landnahme eine Zusammenfassung von vier Artikeln zur Situation auf dem Land in Haryana, dem Hinterland Gurgaons.
Der erste Artikel stellt die Situation in einem der Dörfer dar, das vom Bau der SEZ direkt betroffen ist. Der Artikel geht auf die sich verändernde Klassenschichtung des Dorfs und die sich auflösenden ‘traditionellen Bindungen’ ein.
Der zweite Artikel beschreibt die Verzweiflung der kapitalistischen Bauern in der Kornkammer Punjab und Haryana, die in diesem Jahr entweder nicht genügend migrantische Arbeitskraft für die Ernte finden oder diesen einen sehr viel höheren Lohn zahlen müssen. Sie geben urbanen industriellen Gebieten wie Gurgaon die Schuld für den Arbeitskräftemangel und Lohndruck und schimpfen aus gleichen Gründen auf das staatliche ländliche Arbeitsprogramm NREGA.
Der dritte Artikel betrachtet das angeschuldigte Arbeitsprogramm: angesichts einer wachsenden sozialen Unruhe auf dem Land, angesichts der enormen Migrationsströme, Selbstmordwellen und der Maoistischen Gefahr versucht der indische Staat mit einem breitangelegten Arbeitsprogramm die ländliche proletarische Bevölkerung an die Scholle zu binden, u.a. durch die Stärkung der ‘Local Governance’ in Form der alten Dorfräte, die zu Managementinstanzen des Arbeitsprogramms gemacht werden.
Der letzte Artikel hat ein eher trauriges Thema: im Dezember 2007 erschossen in der ‘Euro International’-Schule in Gurgaon Schulkamaraden einen vierzehnjährigen Mitschüler. Die indische Medienwelt sprach von ‘Amerikanisierung’ und Werteverfall. Einige Journalisten verstanden die Tat als Spiegel der gewaltätigen Transformation von lokalen Bauern in eine Klasse von Neureichen, die in Gurgaon mit der alteingesessenen metropolitanen Oberschicht zusammenstösst.

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